Samstag, 16. Februar 2013

*Rezension* - Der Kuss des Kjer von Lynn Raven

Wenn ich gekonnt hätte, hätte ich dieses Buch nicht mehr aus der Hand gelegt aber so bin ich in den süßen Genuss gekommen, den Roman über mehrere Tage hinweg zu genießen. Die Geschichte um den Kjer Mordan und die Nirvad Liljanas ist einfach nur faszinierend. Ihre Reise, die sie einander näher bringt, obwohl sie verfeindeten Völkern angehören, ist aufregend von der ersten bis zur letzten Seite.



Das Buch:
Die junge Heilerin Lijanas glaubt, einem Fremden zu helfen, als sie in einen Hinterhalt gerät und von dem ersten Heerführer der Kjer entführt wird. Dieser hat die Aufgabe, die Heilerin der Nivard zu seinem König zu bringen, der an einer schweren Krankeit leidet. Vorher jedoch muss der Kjer mit der Heilerin die Tränen der weißen Schlange auffangen, damit der König geheilt werden kann. Die Reise zu den Tränen und zum König der Kjer ist gespickt mit Gefahren, die überall lauern. Und dann ist da noch der Kjer... Immer mehr merkt Lijanas, dass sich hinter dem Krieger ein Mann verbirgt, der ihr auf ganz andere Weise gefährlich werden kann.

Meine Meinung:
Oh mein Gott, ich bin verliebt. Verliebt in dieses Buch, das mich gefangen genommen hat. Verliebt in eine Liebesgeschichte, die ungewöhnlicher kaum sein könnte und verliebt in eine Welt, die durch drei Monde erhellt wird. Lynn Raven hat mit "Der Kuss des Kjer" ein wahres Epos erschaffen, das mitzureißen versteht. Die Figuren entwickeln sich und zeigen immer wieder neue Seiten, die ich so nicht erwartet habe. Die zwei Hauptprotagonisten Lijanas und Mordan stoßen immer wieder im Streit gegeneinander. Der Kjer versucht, den Willen der Heilerin zu brechen aber es gelingt ihm nicht. Das bringt ihn dazu, seine Handlungen zu überdenken und ehe er es sich versieht, sind Gefühle im Spiel:

"Ich weiß, es ist Wahnsinn! Und Träume sind etwas für Narren"

Sehen wir uns die junge Heilerin einmal genauer an. Lijanas wächst trotz dem frühen Verschwinden ihrer Eltern wohlbehalten auf und wird zu einer verehrten Heilerin, die alles stehen und liegen lässt, um anderen zu helfen. Dies wird ihr schließlich auch zum Verhängnis, denn so fällt sie in die Hände der Kjer. Sie ist ein starker Charakter und versucht, sich gegen die Krieger zu wehren. Schnell merkt sie jedoch, dass ihr das alles nichts bringt. Bevor ich das Buch begonnen habe, habe ich viele verschiedene Meinungen gelesen. Unter anderem auch, dass Lijanas Wandlung nicht nachvollziehbar ist und auch ihre Gefühle es nicht sind. Warum bringt sie einem Mann Gefühle entgegen, der sie erniedrigt und schlägt? Für mich was ihr Verhalten jedoch mehr als nachvollziehbar. Ihre Gefühle sind langsam gewachsen und wurden immer wieder genährt durch die Momente, die Mordan haben menschlich erscheinen lassen. Viele ihrer Handlungen waren mir dennoch unklar aber nur bis zu dem Moment, wo die Autorin den Knoten schließlich gelöst hat.

"Ich möchte am Abend an deiner Seite einschlafen und am Morgen neben dir aufwachen! Ich möchte dich beschützen und dir dienen! Ich möchte mit dir streiten und lachen! Ich möchte, dass du Teil meines Lebens bist und dass ich Teil deines Lebens bin! - Ich bin ein Narr!"


Wer ist Mordan? Anders als Lijanas hat er nie Liebe erfahren. Von den Eltern scheinbar verstoßen stößt er früh an seine Grenzen in einem Lager, das ihn zu einem unerbitterlichen Krieger macht. Sein Ruf eilt ihm voraus und er wird geachtet und gefürchtet als der Blutwolf, denn er hat mehr als eine Schlacht mit kalter Grausamkeit geschlagen. Doch was hat ihn zu dem Mann gemacht, der er ist? Mordan war mir lange Zeit ein Rätsel. Nicht nur sein Alter schein unbestimmbar. Ich hatte auch lange keine Vorstellung von ihm. Beschrieben wird er mit einem weichen Fell, das seinen Körper überzieht, einer Augenklappe, einer stolzen Haltung und langem, schwarzen Haar. Und was ist eigentlich ein Sturmauge? Mit jeder Seite wurde mein Bild vollständiger und der edle Kjer in meinen Augen ein Mann, der interessanter kaum sein könnte.

Ich möchte an dieser Stelle auch noch auf einen Charakter verweisen, der in meinen Augen ebenfalls eine wichtige Rolle spielt. Der Kjer Brachnan. Er scheint eine Art Vaterersatz für Mordan zu sein und hilft ihm dabei, auf den richtigen Weg zu kommen. Ganz anders dagegen Prinz Ahmeer, der Bräutigam von Lijanas. Ein Weichei, wie er im Buche steht. Die Reise durch unwegsame Gebiete wie die Salzwüste, der Aufenthalt in Cavallin und schließlich das Ende der Reise in der Burg der Kjer - die Geschichte ist einfach nur faszinieren. Sie zieht den Leser in ihren Sog, lässt ihn wie in Trance die Seiten umblättern und immer tiefer hineingehen in eine Welt, in der Gewalt zu herrschen scheint, durchbrochen von der zarten Pflanze der Liebe.

Ist Euch eigentlich auch aufgefallen, dass in dem Buch manchmal beeindruckende Parallelen zu dem Märchen "Die Schöne und das Biest" gezogen werden? Ich habe da nur den Kampf mit den Seelenfressern und der daran anschließenden Behandlung von Mordans Wunden durch Lijanas vor Augen. :)

Mein Fazit:
Oje, jetzt ist die Rezension ganz schön lang geworden. Ihr seht, das Buch hat mich bewegt und bewegt mich noch immer. Mein erster Roman von Lynn Raven und ganz sicher nicht mein letzter. Ich kann es nur empfehlen, diesen Roman zu lesen. Ich brauche jetzt erst einmal einen Moment um mich von den Charakteren zu verabschieden, die einen Platz in meinem Herzen bekommen haben. Von mir gibt es fünf von fünf Kleeblättern.



1 Kommentar:

  1. Was ist eigentlich ein Sturmauge? :-)
    Bei diesem Satz musste ich gerade laut auflachen müssen, das mein Mann mich nur komisch angeguckt hat:-)
    Ich liebe dieses Buch einfach, es ist mein unangefochtenes Lieblingsbuch welches ich bereits zum 2. mal gelesen habe und sicher noch einige male lesen werde. Toll ist auch Der Spiegel von Feuer und Eis!

    Viele Grüße und schau mal vorbei wenn du magst. Ich bleibe:-) Neele
    http://neelekoch.blogspot.fr

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